MEMRI Special Dispatch - 31. Oktober 2002

Arabisches Boykottbüro diskutiert Status deutscher Firmen auf ,Schwarze Listen'

Die arabische Tageszeitung al-Hayat berichtet in ihrer Ausgabe vom 30.10.2002 über die Entscheidungen, die vom arabischen Boykottbüro Anfang der Woche bezüglich eines Boykottes verschiedener amerikanischer, britischer und deutscher Firmen getroffen wurden.

Die Gründung des Boykottbüros erfolgte Anfang der 50er Jahre auf Initiative der Arabischen Liga. Während israelische Firmen danach einem ,Boykott ersten Grades' unterworfen sind, unterliegen nicht-israelische Firmen, die geschäftliche Beziehungen nach Israel unterhalten, einem ,Boykott zweiten Grades'.

Nach dem Beginn der arabisch-israelischen Friedensverhandlungen zu Beginn der 90er Jahre hatten sich verschiedene arabische Länder gegen eine Aufrechterhaltung des Boykottes ausgesprochen. Auf Initiative des Gipfels der Arabischen Liga vom März 2001 wurde der Boykott schließlich erneut aufgegriffen und als arabische Reaktion auf die Eskalation des israelisch-palästinensischen Konfliktes beschrieben. Nach Zeitungsberichten befinden sich etwa 10000 Firmen auf den so genannten ,Schwarzen Listen'.

Bei dem jüngsten Treffen des Boykottbüros ging es u.a. um die deutschen Firmen Siemens und Friedrichs. Der folgende Bericht wurde von Ibrahim Hamidi, Damaskus, verfasst:

"Zum Abschluss der 69. Sitzung des arabischen Büros zum Boykott Israels, das am vergangenen Dienstag in Damaskus zusammenkam, wurde der Boykott gegen drei amerikanische, britische und deutsche Firmen aufgehoben. Demgegenüber wurde ein Boykott gegen die amerikanische Kosmetikfirma Estée Lauders verhängt.

Diese Entscheidung fällt mit der heutigen Ankunft einer Delegation amerikanischer Geschäftsleute in Damaskus zusammen, die zu Gesprächen mit der syrischen Handelskammer und amerikanischen Diplomaten über die Entwicklung des wirtschaftlichen Austausches zwischen den beiden Seiten angereist sind.

Der Generalbevollmächtigte des Boykottbüros, Ahmad Khaza, lehnte es ab, die Namen der Firmen, die in die Boykottliste aufgenommen oder von ihr gestrichen wurden, zu nennen, da es dabei ,um eine vertrauliche Sachfrage geht, die zwischen bestimmten Staaten diskutiert wird.'

Al-Hayat erfuhr, dass die Diskussionen der Delegationen aus 18 arabischen Ländern dazu führten, dass der Boykott gegen die amerikanische Firma Mallinckrodt, die britische Firma Spectrum sowie die deutsche Firma Amazone(1) aufgehoben wurde, da die Firmen ,Unterlagen zur Korrektur [der Einstufung] vorlegten und nachwiesen, dass sie keine Verbindungen mit Israel haben.' Zudem wurde ,trotz der Vorbehalte Saudi Arabiens, Kuwaits, des Omans und der Vereinigten Arabischen Emirate' ein Boykott gegen die amerikanische Firma Estée Lauder des Geschäftsmannes Donald Lauders verhängt, nachdem eine Delegation aus dem Libanon diese Forderung vorbrachte und seine Verwunderung über die Eröffnung einer Filiale dieser Firma im Libanon äußerte.

Die Beschlüsse der Sitzung bezogen sich zudem auf den Fall der deutschen Firma Siemens, die ,endgültig aufgefordert wird, die verlangten Dokumente vorzulegen.' Außerdem wurde die Entscheidung über die deutsche Firma Friedrichs auf die kommende Sitzung in der zweiten Aprilhälfte verschoben.

Der Vertreter Omans, Abd al-Rahman al-Jazrani erklärte gegenüber al-Hayat, die Beschlüsse seien ,einstimmig' getroffen worden und wies daraufhin, dass ,diese Versammlungen nicht allein darauf abzielen, Firmen auf die schwarze Liste zu setzen. Es geht auch darum, Firmen von ihr herunter zu nehmen, wenn sie die Probleme ausräumen.'

Khaza schätzt die ökonomischen Einbußen, die Israel seit dem Boykottbeschluss zu Beginn der 50er Jahre zu verkraften hat, auf über 87 Mrd. US-Dollar. Zudem sind die israelischen Exporte in die europäischen Länder in den letzten Jahren um 26% zurückgegangen. Er fordert ,alle gewissenhaften Menschen in der Welt dazu auf, diese friedliche Waffe als Reaktion auf die fortgesetzten israelischen Verbrechen gegen unser palästinensisches Volk anzuwenden.' Der Boykott sei ,ein friedliches und würdiges Mittel des Widerstandes'.

In der Abschlusserklärung wurde in der Bekräftigung ,einer Ablehnung der Drohungen mit einem Militärschlag, nachdem der Irak die Rückkehr der internationalen Inspekteure ermöglicht habe', die Charakterisierung als ,völkerrechtswidrig' gestrichen. Diese Streichung hatten die Delegationen aus dem Golf gefordert."

(1) Aus dem arabischen Text ist der Name dieser Firma nicht eindeutig zu bestimmen.

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