MEMRI-Special Dispatch 21. August 2003

11.9.: Saudischer Kommentar kritisiert US-Geheimdienste

Der Untersuchungsbericht des amerikanischen Kongresses über die Vorgeschichte des 11.9. hat in Saudi-Arabien vor allem für Aufsehen gesorgt, weil Passagen geheim blieben, in denen es um etwaige Verwicklungen saudischer Kreise gehen soll. Die saudische Zeitung Al-Watan nahm dies zum Anlass, gegenüber solchen Diskussionen das Versagen der amerikanischen Geheimdienste zu betonen. Gewürdigt wird die Rolle des deutschen Geheimdienstes. Diesen bezeichnet der Kommentar am Rande als Nachfolger der Gestapo. Der Artikel erschien am 16. August:

"Das Spiel der Geheimdienste"

"Der deutsche Geheimdienst hat die verborgene [Vorgeschichte] der Anschläge vom 11. September ans Licht gebracht und damit die amerikanischen Dienste verantwortlich [für die Versäumnisse] gemacht: Die Nachfolger der "Gestapo" hatten den CIA vor Marwan Al-Shehhi und dessen Zelle in Hamburg gewarnt. Sie haben einen Brief geschickt, in dem sie auf die Notwendigkeit einer Koordinierung der westlichen Sicherheitsapparate und auf die Verbindung von Al-Shehhi mit Al-Qaida hinwiesen. Sie teilten mit, dass Al-Shehhi nach Afghanistan gereist war und in engem Kontakt mit Muhammad Hayder Al-Zamar, einem Syrer mit deutscher Staatsbürgerschaft, stand. Trotzdem konnte Al-Shehhi die amerikanischen Grenzkontrollen überwinden, in amerikanischen Schulen Fliegen lernen und zusammen mit seinen 19 Kumpanen die Flugzeuge des 11. September lenken.

Wir wissen nicht, ob der Kongressausschuss in seinem 900seitigen Bericht über die Attentate die deutschen Warnungen in den Blick genommen hat. Oder ob der Bericht vielleicht nur dazu diente, die Konzentration der Boulevardpresse auf die 28 herausgenommenen Seiten zu lenken, in denen es um Saudi-Arabien geht, um so tendenziöse Interpretationen über [die Rolle] Saudi-Arabiens loszutreten.

Dabei hatte der Kongressbericht doch [vor allem] die Unzulänglichkeit und die Fehler der Geheimdienste enthüllt, die dazu führten, dass die Anschläge nicht vereitelt werden konnten. Der Bericht bestätigt, dass die amerikanischen Geheimdienste bestimmte Aspekte vernachlässigt, sensible Informationen übersehen und ihnen nicht genügend Bedeutung beigemessen haben. Zudem war das FBI dabei gescheitert, vom Kampf gegen das Verbrechen auf den Kampf gegen den Terror umzuschwenken: Schließlich haben die Luftpiraten sich in den USA monatelang vorbereiten können, haben dort gewohnt und geübt. Das FBI aber ignorierte wichtige Informationen, die seine Mitarbeiter über Flugschüler sammelten, die Verbindung zu Usama bin Laden hatten. Der deutsche Bericht, den das Magazin "Stern" jetzt veröffentlichte, ist jedenfalls ein Schandfleck auf der Stirn der amerikanischen Geheimdienste, die bekannt für ihre weltweiten Aktivitäten und ihre Fähigkeit sind, allen Verschwörungen gegen die USA zu begegnen. [.]

Auf die 28 Seiten haben sich nun die Journalisten mit ihren Spekulationen und üblen Beschuldigungen gestürzt, die den Arabern und dem Islam in Amerika feindlich gesonnen sind. Dabei hat Saudi-Arabien gerade Maßnahmen ergriffen, die auf höchster amerikanischer Ebene gefordert wurden, damit das Land sich selbst verteidigen kann. Wird unter diesen Schreibern, einer den Mut haben, den deutschen Bericht ins Spiel zu bringen?"

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