MEMRI Special Dispatch - 29. Januar 2003

Jamil Matar in al-Hayat über die US-Außenpolitik und den Wandel in der arabischen Welt

Die in London erscheinende arabischsprachige Tageszeitung al-Hayat veröffentlichte kürzlich einen Kommentar des ägyptischen Journalisten Jamal Matar, in dem dieser Veränderungen in der US-amerikanischen Außenpolitik ausmacht. Matar benennt dabei eine zunehmende Kritik innerhalb der US-amerikanischen Öffentlichkeit an der Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush als Beleg für seine These. Gleichzeitig hebt er hervor, dass die arabische Öffentlichkeit auf diesen Wandel reagieren müsse. Der Artikel erschien am 26. Januar 2003: (1)

"Ich neige dazu, dem sich verbreitenden Eindruck zuzustimmen, dass Veränderungen bei den amerikanischen Entscheidungsfindungen stattgefunden haben. Die Hardliner verlieren ihren Einfluss zugunsten der Gemäßigten. Ich schließe die Möglichkeit nicht aus, dass einige erfahrene Regierungsmitglieder bemerkt haben, dass die Politik Washingtons nach dem 11. September viele amerikanische Freunde und Alliierte befremdete. Und ich spreche hier nicht über die arabische Welt oder mit Blick auf die amerikanische Politik im Konflikt mit Israel. In Ländern wie Südkorea beispielsweise ist die Feindseligkeit gegenüber der amerikanischen Politik offensichtlich. Diese wird auch in Indonesien, Malaysia, den Philippinen und vielen südamerikanischen Ländern deutlich.

Die neue amerikanische Diplomatie zielt darauf ab, die Alleinherrschaft aller arabischen oder islamischen Regimes über die öffentliche Meinung zu brechen. Washington will, dass die arabische und islamische Öffentlichkeit eine andere, offene und unverblümte Meinung hört. Das ist die Meinung eines Staates, der Freiheit für alle Völker möchte.

Es überrascht nicht, amerikanische Kommentatoren über die Rolle des Terrors in der amerikanischen Außenpolitik diskutieren zu hören. Der Krieg gegen den Terror hat ein neues Bewusstsein in der amerikanischen Öffentlichkeit geschaffen, das es ermöglichte, die Extremisten in den eigenen Reihen zu erkennen und auf die Gefahren, die diese für die Grundsätze der eigenen Nation darstellen, hinzuweisen. Das Resultat diesen Bewusstseins und der andauernden Debatte über die Beziehungen zwischen dem Terror und der amerikanischen Außenpolitik ist, dass viele der Praktiken der amerikanischen Sicherheitsbehörden offen gelegt wurden. Nach meinen Beobachtungen kann ich sagen, dass diese Institutionen viel an Respekt und Vertrauen in der amerikanischen Öffentlichkeit verloren haben.

Es ist durchaus möglich, dass die amerikanischen ,Falken' nicht wahrgenommen haben, dass sie Amerika in eine Reihe von Konflikten verwickelt haben. Diese Eliten haben den Krieg zu einem zentralen Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik gemacht. Es reicht schon sich die geographische Verteilung der amerikanischen Truppen auf der ganzen Welt anzuschauen, um festzustellen, dass die USA zurzeit in mindestens drei Kriege verwickelt ist. Ich bin der Meinung, dass sich die USA nicht noch an einem vierten Krieg beteiligen kann, obwohl die Vorstellung, Amerika könnte mehr als einen Krieg führen, weiterhin geläufig ist.

Trotzdem ist es fast sicher, dass sich die Kriegspläne gegenüber dem Irak verändert haben. Dieser Wandel beinhaltet, einen umfassenden Krieg (Großangriff) aufzuschieben oder ihn durch verschiedene kleine, aufeinander folgende Kriege zu ersetzen. Die Möglichkeit eines solchen Wandels vergrößerte sich mit dem Beginn der Nordkoreakrise. Die Frage ist, wenn es diesen Wandel in der amerikanischen Politik gab, welchen Einfluss wird er auf die Politik haben, die von Washington hinsichtlich eines notwendigen Wandels in der arabischen Welt erklärt wurden?

Die Antwort ist nicht leicht. Einerseits weiß ich, dass die Amerikaner keinen Wandel rückgängig machen, den sie schon entschieden haben. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Amerikaner derzeit mit dem Problem konfrontiert sind, angemessene Szenarien zu entwickeln, die in diesen Ländern durchgesetzt werden. Für uns als Beobachter ist es wichtig, dass die Amerikaner dabei jetzt betonen, dass der Islam in diesen neuen Szenarien als eine politische Kraft in den arabischen und islamischen Ländern wahrgenommen werden muss. Deswegen ist es wichtig, die adäquatesten Parteien unter den islamischen Gruppen zu finden, die interessiert und qualifiziert sind, einem pluralistischen politischen System breitzutreten."

(1) Die Übersetzung basiert auf der englischen Version des Artikels, der in der englischen Online-Ausgabe der Zeitung veröffentlicht wurde. Der Artikel ist gegenüber der arabischen Version leicht gekürzt.

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