MEMRI-Special Dispatch 2.09.2003

Über die Festnahme des iranischen Ex-Diplomaten Hadi Soleimanpur

Der Iran hat nach der Festnahme des iranischen Ex-Diplomaten Hadi Soleimanpur in London seine Wirtschaftsbeziehungen zu Argentinien abgebrochen und davor gewarnt auch seine Beziehungen zu England zu beenden. Der 47-jährige Iraner wird von der argentinischen Justiz beschuldigt, an der Planung und Ausführung des Bombenanschlages auf das jüdische Kulturzentrum in Buenos Aires von 1994 beteiligt gewesen zu sein. Damals wurden 85 Personen getötet und mehr als 200 verletzt. Im Folgenden dokumentieren wir Reaktionen verschiedener iranischer Zeitungen auf die Festnahme:

Der islamischen Reformzeitung Yaase Now zufolge verurteilte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamidresa Assefi, die Verhaftung des ehemaligen iranischen Botschafters in Argentinien, Hadi Soleimanpur. Weiterhin konstatiert die Zeitung, dass "zionistische Quellen in Buenos Aires bekannt gegeben haben, dass Hadi Soleimanpur verhaftet" worden sei. (1)

Islamisten aller Schattierungen sind sich einig, dass die Verhaftung von Soleimanpur auf "Druck von Zionisten" erfolgt sei. Die iranische Zeitung Kayhan berichtet über eine Rede Mohammad Khatamis am Grab von Imam Khomeini, in der er das "politische Verhalten" Englands bei der Verhaftung des iranischen Ex-Diplomaten verurteilt:
"Wir verkünden, dass die englische Regierung diese Verhaftung so schnell wie möglich revidieren muss. Die Islamische Republik Iran ist bezüglich all seiner Bürger, insbesondere seiner pflichtbewussten Bürger, sehr sensibel und wird weiterhin ihre Rechte sichern. Diese Sache hat eine politische Färbung und hinter der Geschichte stecken Lobbygruppen, die mit leeren Vorwürfen und lügnerischen Behauptungen die Islamische Republik unter Druck setzen wollen." (2)
England müsse sich wegen seiner falschen Tat entschuldigen, so der Präsident. Er werde nicht erlauben, dass sich so etwas wie diese hässliche Verschwörung gegen die Islamische Republik Iran wiederhole. (3)

Kayhan kommentiert das Verhältnis des Irans zu England nach der Festnahme:
"Der Feind bleibt immer ein Feind. In der Geschichte haben wir die meisten Schläge von den Engländern bekommen. Wenn manche Reformer in den letzten Jahren dem westlichen Druck nicht so nachgegeben hätten, hätten sich die Engländer nicht getraut einen iranischen Diplomaten zu verhaften. Wie viel Schaden haben wir eigentlich durch den Abbruch der Beziehungen mit den USA erlitten, dass wir so darum bemüht sind, unsere Beziehung zu England zu stärken." (4)

Der Reformislamist und Vorsitzender des islamistischen Parlaments, Hojatoleslamwalmoslemin Mehdi Karrubi sagte bezüglich der "unverschämten" Verhaftung von Hadi Soleimanpur: "Solche Schritte und Verschwörungen verfolgen das Ziel, den Ruf der [islamischen] Ordnung zu schädigen. Unser diplomatischer Apparat wird die nötigen Schritte unternehmen, um den ehemals in Argentinien tätigen Botschafter zu befreien." (5)

Der Vorsitzende der Kommission für nationale Sicherheit und Außenpolitik des Majless, Mohassen Mirdamadi äußerte sich bezüglich der "unakzeptablen Verhaftung" des Ex-Botschafters, dass wenn die englische Regierung die Verhältnisse nicht normalisiere, die iranische Regierung selbstverständlich härter reagieren werde. (6)

Die Zeitung Aftabe Yasd argumentiert, dass der Prozess zunächst in einem argentinischen Gericht behandelt worden sei und dass sich alle Behauptungen als falsch erwiesen hätten. Kasem Jalali, Mitglied der Kommission für nationale Sicherheit, wird mit folgender Aussage zitiert:

"Die Verhaftung des früheren iranischen Botschafters in Argentinien ist auf starken Druck der Zionisten auf Amerika erfolgt. Die Amerikaner und die zionistischen Lobbygruppen thematisieren die Menschenrechtsprobleme in Iran, um die Weltöffentlichkeit zu erregen. Das Urteil gegen den Iran ist rein politisch". Weiterhin betonte er, dass der iranische Diplomat unschuldig und der Haftbefehl juristisch ungültig sei. (7)

(1) Yaase Now, 23. August 2003.
(2) Kayhan, 25. August 2003.
(3) Yaase Now, 25. August 2003.
(4) Kayhan, 25. August 2003.
(5) Ebd.
(6) Aftabe Yasd, 25. August 2003.
(7) Aftabe Yasd, 26. August 2003.


Unter folgendem Link könne Sie dazu auch einen Kommentar in der Al-Ahram Weekly lesen: http://weekly.ahram.org.eg/print/2003/653/re7.htm
*****************************************.
Die Ansichten der hier zitierten Autoren geben nicht die Meinung von MEMRI wieder.
Kopien der zitierten Artikel und Dokumente sind auf Nachfrage erhältlich.
Um sich aus der Mailingliste abzumelden, schicken Sie uns bitte eine kurze Nachricht an memri@memri.de.
THE MIDDLE EAST MEDIA RESEARCH INSTITUTE (MEMRI) Linienstr. 115, 10115 Berlin
Tel.: +49-30-97893872/3968, Fax: +49 (030) 97893975 eMail: memri@memri.de , URL: www.memri.de
© Copyright 2002 by The Middle East Media Research Institute (MEMRI) - memri.de. Alle Rechte vorbehalten.
Weiternutzung der Inhalte nur bei vollständiger Nennung der korrekten Quelle