
Brachiale Friedensliebe
Wolf Biermann über Nationalpazifisten und den Irak-Krieg
Frieden ja und Krieg
Wann ist denn endlich Frieden In dieser irren Zeit Das große Waffenschmieden Bringt nichts als großes Leid.
Die Welt ist so zerrissen Und ist im Grund so klein Wir werden sterben müssen Dann kann wohl Friede sein.
So subversiv und kindlich zugleich sang ich als junger Kerl im militaristischen Friedensstaat DDR 1967, also mitten im Kalten Krieg. Ich sang in Ostberlin wie ein Menschenkind im dunklen Waffenwald. Unsere stalinistische Obrigkeit verteidigte aggressiv ihr Monopol auf Friedensliebe, auf Friedenspolitik und Friedenskampf. Und dabei logen sie mal wieder die Wahrheit: Frieden wollen alle Menschen. Und zu den gehören eben auch die totalitären Schweinehunde, die ja im Grunde nichts weiter wollen, als ihren ewigen Friedhofsfrieden hinter Stacheldraht. Goebbels schrie im Berliner Sportpalast: Wollt ihr den totalen Krieg? Und die hakenkreuzbraven Deutschen brüllten begeistert: Jaaaaaa!!!! Und nun? - Nur sechzig Jahre später fragt in der Berliner Republik die gewählte Obrigkeit: Wollt ihr den totalen Frieden? - und die geläuterten Deutschen gröhlen aus vollem Halse abermals: Jaaaaaa! Die Losungen dieser Nationalpazifisten auf Pappschildern und Transparenten heißen:
NIE WIEDER KRIEG! KRIEG IST KEINE ANTWORT! HÄNDE WEG VOM IRAK! HUMANE STAATEN FÜHREN KEINE KRIEGE! NICHT SADDAM - BUSH IST UNSER FEIND! JEDER KRIEG IST EIN VERBRECHEN! Oder mit tautologischem Pathos: KRIEG IST KRIEG! oder mehr sozialpoetisch: BROT STATT BOMBEN! oder auch mehr pisa-panisch: BILDUNG STATT BOMBEN!
Ich habe mir, eine Sammler-Angewohnheit aus DDR-Zeiten, ´ne ganze Latte solcher Losungen in mein Arbeitsbuch notiert. Werweiß - fünfzig Jahre später glaubt es wieder kein Schwein, und kein Aas will der verblendete Trottel gewesen sein. Alle Welt weiß es, daß wir Deutschen unsere Befreiung vom Hitler-Regime nicht uns selber, sondern ausschließlich den Armeen der Alliierten verdanken. Millionen russische, amerikanische und englische Soldaten sind auch für meine Befreiung gestorben. Was viele Frieden-um-jeden-Preis-Woller in Deutschland aber offenbar nicht auf der Rechnung haben: Wir verdanken auf eine indirekte Weise ja auch die Entlassung der DDR aus dem sowjetischen Völkergefängnis niemandem so sehr wie diesen waffengeilen Amerikanern. Ohne deren Nachrüstung im Rüstungswettlauf mit dem Ostblock wäre die Sowjetunion und ihr Satellitenreich nicht so sang- und klanglos in sich zusammengebrochen. Michail Gorbatschow, jener parteifromme Ketzer aus der sowjetischen Nomenklatura, hat uns nach dem Fall der Mauer und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ohne diplomatische Metaphorik die prosaischen Hintergründe von Glasnost und Perestroika verraten. Und diese Wahrheit zwang auch mich zu einer peinlich späten Einsicht: Ausgerechnet die von uns immer so angeprangerte Rüstungsspirale hatte in den letzten Jahren des Ost-West-Konfliktes das chronisch sieche sowjetische System ökonomisch dermaßen überfordert und ruiniert, daß die stalinistischen Machthaber in ihrer Bredouille
einem unkonventionellen Funktionär aus der Provinz, einem scheinbar blauäugigen Kommunismusretter wie dem Genossen Gorbatschow überhaupt eine Chance gaben. Die Menschheit hatte Glück mit diesem Mann, denn seine systemerhaltenden Rettungsversuche sind ihm im allerbesten Sinne mißglückt: Die Reformen kippten über in eine Revolution. Anders als mein Freund Robert Havemann und ich jahrelang gehofft hatten: Der totalitäre Koloß war eben nicht reformierbar. Wir hatten Hannah Arendt nicht begriffen, die einem neuen Schlagwort das Problem scharf auf den Begriff gebracht hatte: ein "totalitäres" Regime herrscht eben total oder gar nicht. Aus diesem Grunde war das wunderbare Ende des Kalten Krieges und war auch die friedliche Wiedervereinigung der Deutschen eine dialektische Frucht am Baume des wahnsinnigen Wettrüstens der beiden Weltmächte. Hätte ich diese geschichtlichen Wechselwirkungen damals schon durchschaut, wäre ich vielleicht nicht so alternaiv nach Mutlangen gefahren zur Sitzblokade vor dem Camp der US-Army. Und dabei weiß ich noch gut, wie gut ich mich fühlte als einer von den Allergutesten. Man sieht im eigenen Spiegelbild lieber das Menschenantlitz eines Friedfertigen als die Fratze eines Kriegstreibers.
Daß die wiedervereinigten Deutschen heute in mancher Hinsicht noch zerissener sind als vor dem Fall der Mauer, ist leider wahr. Doch nun sieht es so aus, als ob ausgerechnet der drohende Krieg gegen den Irak die schwierige Einheit der Deutschen auf eine makabere Weise befördert. Es wabert und brodelt inzwischen ein gradezu wütender Wille zur Machtlosigkeit gegenüber solchen hochgerüsteten Menschheitsfeinden wie Saddam Hussein. Die Angst vor dem Krieg stiftet unter den Nationalpazifisten in Deutschland eine feste Volksgemeinschaft.
Da verbünden sich verrentnerte Kader der DDR-Nomenklatura mit beamteten Altachtundzechzigern. Die sanft entschlafene Friedensbewegung klettert aus den Wohnstuben wie aus dem Grabe. Stramme SPD-Genossen demonstrieren Seite an Seite mit strammen Christdemokraten für den Frieden. Sogar Punks und Skins reihen sich ein. Es ist nun offenbar "in echt" zusammengewachsen, was im schlechtesten Sinn schon immer zusammen gehörte. Konstantin Wecker überbringt den Berliner Friedenkämpfern unter der Siegessäule die solidarischen Kampfesgrüße der Friedensbewegung in Bagdad. Die reichen wie die ärmeren Kids der Spaßgesellschaft finden Frieden irgendwie geiler als Krieg. Und obendrein trampelt auch Gottes Bodenpersonal beider Konfessionen todesmutig auf diesem absolut gefahrlosen Friedenspfad. Wir wurden in diesen Tagen ein einig Volk von Hurrah-Pazifisten.
Nimm nur die populärste Losung schon seit dem ersten Golfkrieg: "Kein Blut für Öl!" - Wenn ausgewachsene Menschenexemplare, auf deren Bildung man einst einige Mühe verwandt hat, heute diesen Unsinn nachplappern, es gehe den kapitalistischen USA ums Öl, zeigt es mir, daß sie vor lauter Friedensliebe sogar das Groschenzählen vergessen haben. Ginge es den Amerikanern um Profite und um Öl-Lieferungen, dann würden sie den begehrten Stoff lieber bequem und billiger wie bisher auf dem Weltmarkt kaufen. Auch nach einem Sieg über Saddam Hussein werden die westlichen Industriestaaten das Erdöl so oder so zu Weltmarktpreisen erwerben müssen, so wie sie das Öl Russlands, das Öl Kuweits, der Saudis und Venezuelas und Norwegens bezahlen. Allein schon die Kriegserwartung treibt die Ölpreise hoch und drückt die Kurse an der Börse in den Keller. Ein Krieg wird den Preis für einen Liter Benzin wahrscheinlich weit über die Drei-Euro-Marke treiben. Jeder Tankstellenwart scheint da realistischer zu rechnen als unsere akademisch verbildeten Dummbeutel-Marxisten.
In einem ganz anderen Sinn geht es in diesem Krieg allerdings um das Öl: Weder die wenigen demokratischen, noch die vielen diktatorisch regierten Staaten in der UNO sollten es hinnehmen, daß ein praktizierender Völkermörder wie Saddam mit seinen Öl-Milliarden systematisch eine A- B- und C- Militärmacht aufbaut, die es ihm ermöglicht, alle arabischen Bruderländer aus ihrer vergleichsweise kommoden Knechtschaft zu befreien, um sie dann selber vollends zu knechten und mit dieser panarabischen Machtvollkommenheit den Rest der Welt noch brutaler zu erpressen.
Ich rechne damit, daß die wohlfeile Wut auf Amerika uns alle noch teuer zu stehen kommen wird. Ohne den Truppenaufmarsch der USA könnte kein einziger Waffeninspektor überhaupt irakischen Boden betreten. Alle wissen es, und wenige wollen es wahr haben.
Der vulgäre Haß auf den Propaganda-Popanz eines schießwütigen Cowboys im Weißen Haus hat schon was von einer simulierten Paranoia. Ganz Europa verdankt den USA seine Freiheit. Ihre Errettung werden allerhand geschichtsvergessene Menschen in Deutschland und Frankreich den Vereinigten Staaten offenbar niemals verzeihen. Offensichtlich ärgert es diese vom billigen Friedensfusel Besoffenen zusätzlich, daß der heilignüchterne Präsident im Weißen Haus gelegentlich so altmodisch im pathetischen Jargon der Bibel redet. Nun wird also die Weltmacht USA als Feind der islamischen Welt hingestellt. Auch das ist eine besonders schäbige Lüge. Gerade eben haben die Soldaten der Vereinigten Staaten auf dem Hinterhof Europas im Kosovo die Moslembevölkerung gegen die serbischen Völkermörder gerettet. Und die Europäer saßen dabei auf dem Sofa und begutachteten vor der Glotze diesen Rettungsversuch. Ohne den Militäreinsatz der USA säße Milosevic heute machtvollkommen in Belgrad und nicht als Kriegsverbrecher vor dem Tribunal in Den Haag. Aber alle Argumente sind in den Wind gesprochen, wenn die Ohren verstopft sind und die Herzen ohne Mitleid. Und so weht der falsche Friedenswind unsereins scharf und eisig ins Gesicht. Millionen demonstrieren in Europa gegen Bush, und nicht gegen Saddam. Der Friedensrausch in der Öffentlichkeit, aber auch private Gespräche machen mir klar, wie sehr ich mal wieder in den ehrenvollen Status der Minderheit geraten bin. Dabei hatte ich es nie darauf angelegt. Ich war es auch in DDR-Zeiten niemals, der den Dissens suchte. Auch ich wollte mein Leben lang am liebsten als Normalspießer und besserer Mensch unter den jeweiligen Gutmenschen opportun die Zeit verbringen, "die auf Erden mir gegeben war". Aber zum Glück gelang mir das nie. Stattdessen wurde ich von klein auf trainiert, einer von diesen ewig verachteten und zugleich neidvoll bewunderten Gegen-den-Strom-Schwimmern zu sein. Trunken macht mich das nicht, denn mich ernüchtert das wahre Wort von Manés Sperber: "Auch wer gegen den Strom schwimmt, schwimmt im Strome."
Dabei war ich immer ein Furchtsamer. Dennoch hatte mich nie die Angst vorm Krieg. Diese Gemütsbewegung ist in mir, scheint´s, getötet worden, bevor ich das Wort Krieg hätte ganz erfassen können. Das war im Sommer 1943, als meine Mutter mit mir unter dem Bombenhimmel der amerikanischen und britischen Fliegenden Festungen gegen den Hamburger Feuersturm aus dem Inferno kroch. Die Alliierten hatten damals schon - zu unserem Glück - sich die Lufthoheit über Nazideutschland erkämpft. Ich war in diesen branderhellten Nächten und rauchverfinsterten Tagen sechs Jahre alt. Schon in den Kriegsjahren, mein Vater war gerade ein halbes Jahr vorher in Auschwitz ermordet worden, erklärte mir meine Mama, so simpel, wie ich es als kleiner Junge verstehen konnte, daß diese schlimmen schlimmen Bombenflugzeuge uns befreien sollen, von den bösen bösen Leuten, die uns unseren lieben lieben Papa weggenommen haben. Es war nur so schlimm, daß uns die Bomben unserer Lebensretter selber auf den Kopf fielen. Deshalb schrieb ich in meiner "Ballade von Jan Gat unterm Himmel in Rotterdam" den Vers, der manchen Deutschen irritiert oder gar entrüstet hat:
Und weil ich unter dem gelben Stern In Deutschland geboren bin Drum nahmen wir die englischen Bomben Wie Himmelsgeschenke hin
Das unterscheidet mich nun mal von den Meisten, die in Deutschland jetzt die Lufthoheit im Meinungskrieg über den Bombenkrieg erobert haben. Mir fällt allerdings ein beachtenswerter Gegensatz auf: Die meisten Kinder und Kindeskinder der Nazi-Täter-Generation, sind reflexartig und prinzipiell gegen jeden Krieg. Die Brut des Heil-Hitler-Volks, das den Krieg und die Massenmorde so hingerissen mitgemacht hatte, will sich auch in not-wendige Kriege, die eine Not wenden können, nicht reinreißen lassen. Auch wenn sie kaum Immanuel Kant gelesen haben, spüren sie,daß jeder Krieg, sogar der gerechte, ein grauenhaftes, ein "trauriges Notmittel" ist. Mit sauberen Händen kommt keiner aus dem blutigen Gemetzel wieder nach Haus. Also wollen sie fortan lieber Unrecht erleiden, als selber Unrecht tun. Niemals wieder! wollen die Nachgeborenen der Nazis Täter werden wie ihre verdorbenen Väter und Mütter. Das ist verständlich, und mir zudem sympathisch. Wir Menschen ziehen nun mal geschichtliche Lehren mehr aus der Familienerfahrung als aus dem Studium der Geschichte. Aber genau das gilt eben auch für die Nachgeborenen der damaligen Opfer: Leute wie ich wollen dies und das sein, aber niemals wieder Opfer. Also sind meinesgleichen eher für einen Krieg zum Sturze solch eines menschenverachtenden Regimes, dessen erklärtes und vornehmstes Ziel es ist, Israel zu vernichten. Daß Saddam Hussein ganz nebenbei sein eigenes Volk von Anbeginn seiner Putschherrschaft vernichtet: es foltert, erpresst, verblödet, ängstigt und fanatisiert , das wird dabei von den gemütlichen Friedenskämpfern in der westlichen Welt brutal ignoriert. Deutsches Sprichwort: Fremdes Leid trägt sich leicht. Die Regierenden in Berlin täuschen ihr Volk in jeder Tagesschau mit der korrekten Neuigkeit: Die UN-Waffeninspekteure finden nichts Neues. Es gebe also keinen Grund für einen Krieg gegen das Regime in Bagdad. Dabei wissen absolut alle, Freunde wie Feinde, daß diese A- oder B - oder C- Waffen in irgendwelchen nicht auffindbaren Bunkersystemen oder, paar Kilometerchen jenseits der syrischen Grenze beim hilfsbereiten Nachbarn, in aller Ruhe professionell versteckt worden sind und auf ihren Einsatz warten.
Ein präventiver Krieg sei, so reden viele unserer offiziösen Mahner, unbegründet und außerdem ein Bruch des Völkerrechts und also selber ein Kriegsverbrechen. Im gleichen Moment aber teilte die Gesundheitsministerin den Deutschen mit, daß unser Staat beschlossen hat, ab sofort einhundert Millionen Einheiten Impfstoff gegen Pocken bereit zu halten, also für die gesamte Bevölkerung. Das sind die Tranquilizer fürs Volk, verabreicht von provinziellen Quacksalbern, die nichts anderes mit sich und dem Vaterland vorhaben, als die nächste Landtagswahl in einem Bundesland zu gewinnen. Mich läßt eine apokalyptische Vision nicht los in diesen Tagen: Nehmen wir an, dieser gelernte Putschist, Oppositionskiller, Giftgaskriegsheld, Kurdenausrotter, dieser gelernte Ölquellen-in-Brand-Setzer und gescheiterte Aggressor hat spätestens im ersten Golfkrieg vor zehn Jahren kapiert, daß er gegen einen zur Verteidigung entschlossenen Westen nicht ankommt. Frankreich hatte ihm zwar modernste Mirage-Bomber verkauft. Die USA, diese weltpolitischen Dilettanten, hatten ihn grauenhaft kurzsichtig im Eroberungskrieg gegen den gefürchteten Khomeini-Iran unterstützt. Arbeitslose Kernphysiker sind seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bereit, jedem dreckigen Diktator gegen Gage seine "dreckige Atombombe" zu basteln. Deutsche Firmen lieferten aus sauberster Profitgier dem Irak alles, was man zur Giftgasproduktion und zur Vervollkommnung primitiver Raketen braucht. Aber es existiert längst eine spottbillige und supermoderne Trägerrakete, die solch ein Regime weder heimlich bauen, noch umständlich verstecken muß. Es gibt einen viel einfacheren Weg, auf dem solche Kleinterroristen wie Bin Laden oder solche Großterroristen wie Saddam Hussein atomare oder chemische oder bakteriologische Massenvernichtungswaffen ins Ziel bringen können. Ich fürchte, sie haben dieses simple Vehikel längst für sich entdeckt und präpariert, eine geniale Technik, die billiger, treffsicherer und leistungsstärker ist, als die modernsten lasergesteuerten Missiles der Welt. Diese unkonventionelle Super-Rakete benutzt ein Treibmittel, das eine jede beliebig große und sogar plump gebaute Bombe mit Leichtigkeit in jeden Winkel des Westens transportieren kann. Und dieser neuentdeckte Brennstoff heißt: Demokratie. Er funktioniert todsicher in allen weltoffenen zivilen Gesellschaften.
In jeder westlichen Großstadt kann man mit dem nötigen Kleingeld jeden Tag auf dem freien Immobilienmarkt hundert geeignete Immobilien kaufen. Insbesondere private Einzelhäuser werden so gut wie niemals von irgendwelchen Polizei- oder Sicherheitskräften beachtet, geschweige denn kontrolliert. Es wäre ein Klacks, in solch einem Haus eine funktionierende Massenmordmaschine Stück für Stück im Laufe der Jahre zusammen zu bauen. Und jede Firma liefert alles. Lästige Handelsembargos für kriegsgeeignete Spezialtechnik spielen im Inland keine Rolle. Und wenn dann ein getürkter Tanklaster der Firma Shell gelegentlich vorfährt, kann der genau so gut eine Giftbrühe, oder eine mit Krankheitserregern präparierte Nährflüssigkeit für tödliche Epidemien in den zweckentfremdeten Heizöltank pumpen. Die Explosion kann dann im richtigen timing ausgelöst werden, durch ein Signal , ein Code-Wort von sonst woher mit einem Mobil-Telefon. Alle Metropolen der westlichen Welt sind geeignete Schauplätze zur Aufführung einer solchen Tragödie, für die der 11. September in New York nur ein Vorspiel war.
Und was wird mit Israel? Ein paar leistungsfähige Raketen, die Nordkorea an den Irak geliefert hat, funktionieren wie im ersten Golfkrieg gut genug, um die kurze Distanz in Richtung Israel zu bewältigen, sodaß der winzige Judenstaat sich mit einem Schlag in eine riesige Gaskammer verwandelt. Das wäre dann die panarabische Endlösung der Judenfrage. Ich sah heute ein Foto in der Zeitung: junge Israelis in einer Schulklasse üben mit den Gasmasken. Das ist der historische Fortschritt: Immerhin haben seit dem Trick mit den falschen Duschräumen in Auschwitz diese Menschen inzwischen echte Gasmasken auf der Nase. Schlau, wie die Juden nach Meinung der Antisemiten allerdings sind, werden die Israelis bei einem Raketenangriff auf ihr Land in luftdicht abgeklebten Kellern unter den Wohnhäusern sitzen. Und dann teilen sie sich die präparierten Wasservorräte und das Essen ein. Aber wer in solcher Welt auch nur einen Monat in einem Bunker überlebt, der wird die schon verwesenden Leichen auf der Straße beneiden.
Male ich den Teufel an die Wand? Liefere ich dem tollgewordenen Mörderpack etwa noch tollere Ideen mit solchem
Horrorszenario?
Egal wie es kommt, eines ist sicher: Alle Kontrahenten werden, wenn sie im Untergang überhaupt noch was sagen können und falls überhaupt noch ein Lebendiger zuhört, röcheln: "Siehste!" - soll heißen: Alle werden sich bestätigt fühlen, alle werden noch im Sterben die eitle Genugtuung genießen, Recht behalten zu
haben. Auch ich.
Die Haltung unserer Regierung provoziert eine Chance, die allerdings wird jeden totalen Friedenskämpfer entzücken: Wenn wir Deutschen nun also dermaßen fundamentalpazifistisch geworden sind, dann sollte man diese ausgebrochene Friedensliebe respektieren. Dann sollte unser Land konsequenterweise auch seine Armee auf der Stelle abschaffen, total abrüsten, ohne Wenn und Aber. Der Staatshaushalt wäre mit einem Schlage saniert. Neue Arbeitsplätze könnten geschaffen
werden.
Wenn also das reiche und starke Deutschland so gar keine Feinde auf Leben und Tod mehr hat auf dieser Welt, dann sollte es getrost sein Schwert an den Ufern von Babylon niederlegen und baden gehen. Es könnte ja sein, vielleicht hat sich der Hegelsche Weltgeist unseren Friedenskanzler Schröder und seinen grünen Außenminister als Prototypen einer Welt ohne Waffen
ausgewählt.
Auf seinen Friedenstrip kam Gerhard Schröder ja kurz vor den fast verlorenen Bundestagswahlen. Etliche fluchten, etliche grinsten, durchschaut haben es alle. Schröder hat halt vor den Wahlen noch mehr Angst als vor einem Krieg. Aber sein taktischer Rattenfängerpazifismus mag sich durch hegelsche Geschichtsdialektik womöglich wunderbar gewandelt haben in eine genuin humane Haltung. Wer weiß - ausgerechnet die Deutschen könnten nun durch eine Abschaffung der Armee den kindlichklugen Dreh gefunden haben, mit dem der uralte circulus vitiosus von Krieg und Frieden, von Gewalt und Gegengewalt ein für alle mal durchbrochen wird: Einseitige Abrüstung! Die Deutschen haben im letzten Jahrhundert der Welt die zwei Weltkriege beschert - jetzt würde es vom überlegenen Witz des Weltgeistes zeugen, wenn ausgerechnet Germania durch seine totale Selbstentwaffnung die Epoche eines Ewigen Friedens einläutet. So würde - diesmal in echt - am Deutschen Wesen doch noch die Welt genesen. Aber ich habe da - pardon - meine Zweifel.
Frieden Frieden - immer wieder
Frieden tönt und dröhnt und stöhnt es
Mal Gebrülle, mal Gewimmer
Dona - nobis - pacem - Chöre,
Still geplärrte Friedensliedchen
Frieden! Frieden! Frieden! Frieden!
Aggressiv aus voller Kehle
Stummer Schrei aus tiefster Seele
Das! das ist die Friedensfalle
Denn für´n Frieden warn schon immer
Alle Menschen, gute schlechte
Friedenssüchtig sind im Grunde
Ziemlich viele, nämlich: alle
Stalin, Hitler, Churchill, Chaplin
Gandhi, Grass und Hermann Hesse
Putin, Doris und auch Gerhard Schröder
Bush, Milosevic, der Schlächter
Arafat, Sharon und Joschka
Auch der Papst als Friedensprofi
Jeder Engel, jedes Tier, dann
Krokodil mit Eselsohren
Saddam Hussein, Wolf Biermann
Blödel-Otto, Knödelknaben
Welterretter, Wundertäter
Alle schwören Friedensschwüre
Abgeschmackte Diktatoren
Abgekackte Demokraten
Abgeklärte Ex-Marxisten
Aufgeklärte Potentaten
Folterknechte, Massenmörder
Generäle und Soldaten
Alle finden Krieg abscheulich
Katholiken, Protestanten
Saufkumpane, Kaffeetanten
Alle Linken, alle Rechten
Ströbele und Struck nicht minder
Finden Frieden schön und besser
Alle Guten, alle Schlechten
Körnerfresser, Menschenfresser
Keine Mutter soll mehr weinen
Um ihr Kind. Und darum wollen
Alle Menschen hier auf Erden
Ganz das Gleiche grundverschieden
Auch die Kriegsverbrecher machen
Ihre Kriege nur aus Sehnsucht
Nach dem Frieden, den sie meinen

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