ANTI - DEFAMATION FORUM



Demonstration 3.10.03 Berlin Mitte

Israel-Fahnen auf Demo anläßlich der deutschen Einheit unerwünscht

Zum Tag der deutschen Einheit fand in Berlin-Mitte eine Demonstration unter dem Motto delete germany bzw. Deutschland verraten statt. An der Demo beteiligten sich rund 1 000 Personen. (Nach Veranstalterangaben 2 000) Auftakt war am Hackeschen Markt, Ende der Demo das Auswärtige Amt. Die veranstaltenden Gruppen könnte man weitestgehend als aufklärerisch, gesellschaftskritisch, undogmatisch oder kommunistisch bezeichnen. Einige von ihnen würden auch wert darauf legen, als antideutsch bezeichnet zu werden. Die meisten jedoch begreifen sich wohl als hautpsächlich antinational. Nach eigenen Bekundungen kann man bei allen beteiligten Gruppen von einer israelsolidarischen Position ausgehen zumindest bis zur Demo. Zum Demogeschehen: Im ersten Drittel der Demo wurden in den ersten zehn Reihen genau zwei Israelfahnen getragen. Vom Lautsprecherwagen wurde mitgeteilt, daß sich die Träger der Nationalfahnen ans Ende der Demo begeben sollten weil sie vorn unerwünscht seien. Diese Durchsage wurde innerhalb der Demo lauthals mit Jubel und zustimmender Grölerei beantwortet. Man kann feststellen: Ein Großteil der Teilnehmer hätte wohl auch gejubelt, wenn über den Lauti die Durchsage gekommen wäre, daß Nationalfahnen inklusive der israelischen ganz aus der Demo zu verschwinden hätten. Schön war, daß sich die zwei Fahnenträger samt ihrer Freundinnen und Freunde davon nicht haben beeindrucken lassen und die Fahnen gegen den Unmut der meisten Anwesenden die ganze Demo über im ersten Drittel getragen haben.

Im Vorfeld der Demo hatte man ja schon gerüchteweise vernehmen können, daß das Demobündnis mit wenigen Ausnahmen die Meinung vertrat, Israelfahnen hätten am Tag der deutschem Einheit nichts verloren, weil sie dem Tag nicht angemessen wären. Herr Gerhard Schröder, Herr Joseph Fischer, Herr Schily oder Herr Rau sind da bestimmt ähnlicher Meinung über den Charakter eines so bedeutsamen Ehrentages der Deutschen. Eine Frage hätte ich also an die Demoveranstalter genauso wie an unseren Bundeskanzler: Wann sind denn in Deutschland in der Öffentlichkeit Israelfahnen zulässig? Zu Weihnachten vielleicht, als ein christlich-jüdisches Bekenntnis zum Dialog der Kulturen? Oder eher zum Totensonntag, weil nur ein toter Jude ein guter, äh akzeptabler Jude ist, aber keiner, der sich als Staatsbürger Israels zu wehren versteht? Fragen über Fragen. Wer allen Ernstes meint, das Symbol des jüdischen Staates sei nichts weiter als eine x-beliebige Nationalfahne, der hat erstens nichts begriffen und zweitens sollte derjenige sich gleich dazu bekennen, daß ihm eine Israelsolidarität ungefähr so viel wert ist wie anderen eine Solidarität mit den Osterinseln oder Honolulu. Fest steht: Solange es in Deutschland nicht Normalität ist, auf einer Demonstration selbsternannter Israelfreunde unbehelligt von Restriktionen und Ressentiments die Fahne des jüdischen Staates zu tragen, muß die Fahne einfach immer und überall gezeigt werden. Das ist die wichtigste Erkenntnis im Zusammenhang mit der diesjährigen 3-Oktober-Demo.