ANTI - DEFAMATION FORUM


Berlin : Antifaschistischer Fahrradkorso 10.09.2006

Teilnehmer ca. 80

Am 10. September versammelten sich 80 Personen vor dem ehemaligem Frauengefängnis Barnimstraße in Berlin-Friedrichshain. Gefolgt waren sie einem Aufruf der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und der Antifaschistischen Initiative Moabit (AIM). Die Kundgebung wurde den hier zwischen 1933 und 1945 inhaftierten und hingerichteten Widerstandkämpferinnen gewidmet. Für über 300 Frauen die gegen den Nationalsozialismus kämpften war es die letzte Station vor ihrer Hinrichtung in Plötzensee. Eine Sprecherin machte dabei auf einige Einzelschicksale aufmerksam. Der Ernst-Busch-Chor sorgte zwischen den Redebeiträgen für Musik.

Nach der Kundgebung startete, der von der AIM organisierte, Antifaschistische Fahrradkorso. Erste Station des Korso mit 40 Teilnehmern war der in der Knaackstraße befindliche Wasserturm. Dort existierte von Anfang März bis Mitte Juni 1933 in der Maschienenhalle I ein ?wildes? KZ. Später wurde in ehemaligen Maschinenhäusern ?SA-Heime? für 1200 Personen eingerichtet. Wie viele Personen am Wasserturm inhaftiert gewesen sind und wie viele von ihnen dabei zu Tode kamen, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Um zur zweiten Station zu gelangen fuhren die Teilnehmer zum Teutoburger Platz, wo sich im NS ein jüdisches Kinderheim befand. Nach dem besichtigen des Gebäudes, indem sich zum jetzigen Zeitpunkt eine Ausstellung befindet und ein paar verbalen Auseinandersetzungen mit der Polizei, fuhren die Teilnehmer weiter. In der Strelitzer und der Anklamer Straße wurde über mehrere Widerstandkämpfer, wie Gustav Elfert informiert.

?1000 Menschen fuhren mit der Reichsbahn in den Tod und unter Mehdorn und der Deutschen Bahn ins vergessen? war einer der ersten Sätze nach dem ankommen am neuen Berliner Hauptbahnhof. Die Reichsbahn verdiente 50 Mark mit jedem Deportierten und wurde damit ?Nutznießer? der geplanten Massenvernichtung.

Von dort ging es weiter zur Ecke Friedrichstr./Unter den Linden, wo einst das ?Cafe König? stand. Der beliebte Treffpunkt von Jüdinnen und Juden wurde ?Anfang der 30iger Jahre (...) immer wieder Schauplatz von Pöbeleien und Überfällen von SA-Leuten und anderen Nazischlägern, die hier ein Symbol dessen gefunden zu haben glaubten was sie hassten, Juden, Künstlern, Internationalität, ein unbekümmertes Nebeneinander, Lebensfreude und Müßigang.? Doch bald war damit Schluss. Fritz Michael Meyer, Gründungsmitglied des Jüdischen Boxclub Makkabi Berlin, schilderte in einem von drei Briefen an die Gedenkstätte Deutscher Widerstand folgendes: "Es wurde uns bekannt, dass im Kaffee König, Unter den Linden, auf der Straße an Tischen sitzende jüdische Gäste regelmäßig abends von Horden Nazijungens angefallen wurden. Ich suchte mir nach dem Boxtraining zehn stabile Jungens aus und sagte, nun gehen wir zum Kaffee König, um die Helden, die alte Leute schlagen, zu treffen.

Im Berliner Tageblatt stand Tags darauf: 'An die falsche Adresse gekommen. Eine Gruppe vom Training des Boxclubs Makkabi kommend, kam am Kaffee König, Unter den Linden, entlang, als wieder eine Horde Naziflegel die Gäste belästigte. In wenigen Minuten waren sie weggelaufen und haben sich die Überfälle nicht mehr ereignet.? Innerhalb des JBC Makkabi wurde eine Abwehr gegründet um Juden in Berlin vor antisemitischen Übergriffen zu schützen. ?Gegen Ende 1933 gründeten ehemalige Fußballer der Tennis Borussia einen Verein, der auf den von Meyer beschriebenen Vorfall im Straßencafé Unter den Linden Bezug nahm: Sie nannten ihn kämpferisch Verein "Kaffee König". Auch für ihn kam 1938 das endgültige Aus, als die Nazis alle jüdischen Vereine auflösten. ?, so die Veranstalter weiter.

Weiter ging es dann Richtung Humboldt Universität. Zur Zeit residiert gegenüber der HU ein Bücherstapel, beschrieben mit deutschen ?Dichtern und Denkern? im Rahmen der Kampagne ?Deutschland - Land der Ideen?. Ganz oben auf dem Bücherstapel der ehemalige Waffen-SS - Angehörige Grass. Thematisiert wurde an diesem Ort die zahlreichen Bücherverbrennungen, das Verhalten Intellektueller und die Rolle der Studenten im NS. ?Schon kurz nach dem 30. Januar 1933, dem Tag der Machtübergabe an die Nazis mussten in nur vier Monaten 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Universität verlassen da sie dem alltäglichen Terror der braunen Studenten und der Gleichgültigkeit ihrer Kolleginnen nicht mehr gewachsen waren. (...) Am 10. Mai 1933 zeigten die Studierenden der Berliner Universität, was Treue zum neuen Staat heißt: Sie plünderten die Universitätsbibliotheken und inszenierten die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz vor der ?Kommode?. (...) Die Bücherverbrennung war (...) nicht von offizieller Seite organisiert worden, sondern wurde von den Studenten selbstständig durchgeführt. Allerdings hielt in Berlin der Minister Joseph Goebbels eine Rede und gab dem Ereignis damit eine offizielle Note.

Während SA- und SS-Kapellen auf dem damaligen Opernplatz vaterländische Weisen und Marschilieder spielten, warfen neun ausgewählte Vertreter der Studentenschaft, (...) die Bücher des ?undeutschen Geistes? auf eilends errichtete Scheiterhaufen.?

Die letzte Station und damit das Ende der Tour fand vor dem Auswärtigen Amt statt. Hier ist eines der wenigen erhaltenen Kunstwerke Kurt Schumachers erhalten. Er war Mitglied der Widerstandsgruppe ?Schulze Boysen-Harnack? und wurde am 22. Dezember 1942 ermordet.

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Agentur - Ahron - Berlin



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