
MEMRI Special Dispatch - 17. April 2003
Al-Ahram über die Konferenz von Nasirija: "Der neue Geist im Irak"
Die regierungsnahe ägyptische Tageszeitung al-Ahram kommentiert in ihrer Ausgabe vom 17. April 2003 die Ergebnisse der Konferenz von Nasirija, bei der am Dienstag dieser Woche 75 Vertreter unterschiedlichster Gruppierungen im Irak zusammenkamen, um über die zukünftige Regierungsform des Iraks zu beraten. Die Konferenz wurde von Vertretern des US-Regierung iniitiert und geriet bereits im Vorfeld in die Kritik verschiedener Teile der arabischen Öffentlichkeit. Unterschiedliche irakische Gruppierungen distanzierten sich vom Rahmen der Veranstaltung und kritisierten die Rolle, die insbesondere den USA bei den Diskussionen um eine zukünftige Regierungsbildung zukommt.
Entgegen diesen Kritiken veröffentlichte die Tageszeitung al-Ahram eine positive Bewertung der Ergebnisse der Konferenz, bei der u.a. der plurale, demokratische und säkulare Charakter einer künftigen Regierung hervorgehoben wurde:
"Die Iraker, die an der ersten Konferenz, die in Nassarija im Irak abgehalten wurde, bekräftigen die Notwendigkeit einer schnellst möglichen Selbstregierung der Iraker. Zudem betonten sie, dass sie ein föderales und demokratisches Staatssystem bevorzugen und einen schnellen Abzug der amerikanischen und britischen Truppen vom irakischen Boden fordern. Es fiel auf, dass ein schiitischer Geistlicher hervob, die Religion müsse im neuen Irak vom Staat getrennt und ein säkulares System etabliert werden.
Natürlich ist dies noch kein endgültiges Urteil über die zukünftige Regierungsform im Irak. Die Treffen, auf denen über die Zukunft des Iraks diskutiert wird, befinden sich noch in der Anfangsphase. Dennoch verkündet diese Ernsthaftigkeit der Teilnehmer an der Konferenz Gutes und weckt Hoffnungen. Sie alle, trotz der Unterschiede ihrer Orientierungen und unabhängig von ihren ethnischen und politische Zugehörigkeiten und religiösen Grundsätze, waren sie beseelt von dem starken Gefühl, was auf der Konferenz besprochen werde, würde ihr zukünftiges Schicksal bestimmen.
Diese Ernsthaftigkeit spiegelte sich auch unter den Demonstranten außerhalb des Konferenzgebäudes wider. Dieser neue Geist, der sich im irakischen Volk ausbreitete, ist es, den es zu bewahren, zu entwickeln und zu befördern gilt, bis alle Irakern in aller Freiheit über die Form ihres Staates und die Art, wie sie sich selbst regieren, übereinkommen. Es reicht, dass wir uns an die sehr lange Zeit erinnern, die verging, bis die Iraker jemanden fanden, der sie ernsthaft fragte, wie sie sich regieren möchten.
Es ist nun sehr wichtig, dass sich dieser Prozeß der Einigung und des Meinungsaustausches über dieses Thema mit größtmöglicher Transparenz und Offenheit vollzieht."
******************************************.
Die Ansichten der hier zitierten Autoren geben nicht die Meinung von MEMRI wieder.
Kopien der zitierten Artikel und Dokumente sind auf Nachfrage erhältlich.
Um sich aus der Mailingliste abzumelden, schicken Sie uns bitte eine kurze Nachricht an memri@memri.de.
THE MIDDLE EAST MEDIA RESEARCH INSTITUTE (MEMRI) Linienstr. 115, 10115 Berlin
Tel.: +49-30-97893872/3968, Fax: +49 (030) 97893975 eMail: memri@memri.de, URL: www.memri.de
© Copyright 2002 by The Middle East Media Research Institute (MEMRI) - memri.de. Alle Rechte vorbehalten.
Weiternutzung der Inhalte nur bei vollständiger Nennung der korrekten Quelle.

|